Lebensereignisse

Brit Milah

„Und das ist mein Bund, den ihr wahren sollt, zwischen mir und euch und deinem Samen nach dir: Beschneiden lasse sich euch alles Männliche. Und ihr sollt euch beschneiden lassen am Fleisch eurer Vorhaut, und dies sei das Zeichen des Bundes zwischen mir und euch.“
Bereschit, 17,10

Acht Tage nach der Geburt werden jüdische Jungen beschnitten, das heißt ein Teil ihrer Vorhaut wird entfernt. Die Brit Milah, wörtlich „Bund der Beschneidung“, ist ein Symbol für die Beziehung zwischen Gott und dem jüdischen Volk, ein sichtbares Zeichen für den Bund mit Gott. Sie zeigt uns auch, dass es die menschliche Handlung ist, die zur religiösen Vollendung führt. G’tt kann uns dies nicht abnehmen, es sind unsere Taten, die zählen.

Ein Baby nach der Brit Milah, Foto: Zviya, wikicommons

Die Beschneidung wird von einem Mohel oder einer Mohelet vorgenommen, die dafür extra ausgebildet sind. Sollte es aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich sein, die Brit am achten Tag nach der Geburt vorzunehmen, kann sie auch verschoben werden. Der Mohel oder die Mohelet entscheidet dies gewissenhaft.

Die Brit muss an keinem bestimmten Ort stattfinden. Sie kann Zuhause, in der Synagoge oder auch in der Praxis des Mohels vorgenommen werden. Das Baby wird während der Beschneidung von seinem Sandak, seinem Paten gehalten. In Reformgemeinden kann es auch eine Patin sein. Während der Brit erhält das Baby seinen jüdischen Namen.

Die allermeisten jüdischen Eltern lassen ihre Söhne beschneiden, auch wenn sie nicht streng religiös leben. Die Beschneidung ist kein Brauch, der ausschließlich von orthodoxen Familien durchgeführt wird. Auch liberale, konservative und säkular lebende Jüdinnen und Juden sehen die Beschneidung als wesentlichen Bestandteil ihrer jüdischen Identität.

Die Beschneidung im Judentum, um es nochmals zu betonen, betrifft ausschließlich Jungen. Es gibt keine jüdische Beschneidung von Mädchen! Eltern von Jungen, die sich gegen eine Beschneidung entscheiden, vor allem aber Eltern von Mädchen entscheiden sich oft für ein sog. Baby Naming, also eine Feier, bei der das Baby wie bei der Brit Milah seinen jüdischen Namen erhält.

Die Beschneidung ist immer wieder Anlass für antisemitische Anfeindungen.

Mehr dazu:
Dossier zum Thema Beschneidung
Judenbilder in der deutschen Beschneidungskontroverse

 

Bat Mizwa – Bar Mizwa

Jüdische Mädchen sind mit 12 Jahren Bat Mizwa, jüdische Jungen mit 13 Jahren Bar Mizwa. Damit gelten sie als erwachsen im religiösen Sinn. Ab diesem Alter haben sie alle religiösen Pflichten und Rechte, die auch ein Erwachsener hat und gelten als Teil des Minjans.

Die Bar Mizwa wird in der Synagoge gefeiert. Der Junge wird an diesem Tag erstmals zur Tora aufgerufen. Darauf hat er sich einige Monate vorbereitet und ist bei einem Rabbiner in Unterricht gegangen, so dass er den Wochenabschnitt der Tora in Hebräisch flüssig lesen kann. An diesem Tag legt der Junge auch zum ersten Mal den Gebetsschal und Tefillin an.

Tefillin Täschchen und Kippa

In diesem Audio-Mitschnitt kann man einen israelischen Jungen bei seiner Bar Mizwa hören. Für ihn ist das Hebräisch natürlich sehr viel einfacher als für jüdische Kinder in Deutschland, die auch die Sprache erlernen müssen. Der Junge liest den allerersten Abschnitt aus der Tora, Bereschit, von der Schaffung der Welt:

בְּרֵאשִׁית בָּרָא אֱלֹהִים אֵת הַשָּׁמַיִם וְאֵת הָאָרֶץ. וְהָאָרֶץ הָיְתָה תֹהוּ וָבֹהוּ, וְחֹשֶׁךְ עַל־פְּנֵי תְהוֹם, וְרוּחַ אֱלֹהִים מְרַחֶפֶת עַל־פְּנֵי הַמָּיִם. וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים: יְהִי אוֹר, וַיְהִי־אוֹר. וַיַּרְא אֱלֹהִים אֶת־הָאוֹר כִּי־טוֹב, וַיַּבְדֵּל אֱלֹהִים בֵּין הָאוֹר וּבֵין הַחֹשֶׁךְ.  וַיִּקְרָא אֱלֹהִים לָאוֹר יוֹם, וְלַחֹשֶׁךְ קָרָא לָיְלָה

Bereschit bara Elohim et haSchamajim we’et haAretz.
WehaAretz hajeta Tohu waWohu weChoschech alPnej tehom weRuach Elohim merachefet alPnej haMajim.
WaJomer Elohim jehi or waJehi or.
WaJar Elohim et haOr ki tow waJawdel Elohim bejn haOr uwejn haChoschech.
WaJikra Elohim laOr Jom welaChoschech kara lajlah…

Im Anfang schug Gott den Himmel und die Erde.
Die Erde aber war bloß und bar, und Dunkel lag über dem Grund, und Gottes Windhauch wehte über die Wasser.
Da sprach Gott: „Es werde hell!“, und es ward hell.
Und Gott sah die Helle, daß sie gut war. Da schied Gott zwischen der Helle und dem Dunkel.
Und Gott nannte die Helle Tag, das Dunkel aber nannte er Nacht…

Im Anschluss darf oder soll der Junge noch eine kleine Rede halten und dann wird gefeiert.

Mädchen sind mit 12 Jahren Bat Mizwa. Im orthodoxen Judentum gehen dann mehr religiöse Pflichten im Haushalt auf sie über. Im konservativen und liberalen Judentum werden auch Mädchen und Frauen zur Tora aufgerufen, was zum ersten mal bei ihrer Bat Mizwa passiert. Auch bereiten sich die Mädchen länger auf den großen Tag vor und gehen dazu in den Unterricht.

Bar und Bat Mizwa Kinder verbinden ihre Feier mit einer guten Tat. Dazu suchen sie sich zum Beispiel ein Projekt, einen Verein oder eine Initiative aus, die sie für unterstützenswert halten und spenden einen Teil des Geldes, das sie geschenkt bekommen dort hin. Oft sind sie auch schon vor ihrer Feier in ein wohltätiges Projekt involviert. Damit wird an das Prinzip der Tikkun Olam angeknüpft.

Das genaue Datum der Bat/Bar Mizwa hängt vom hebräischen Geburtsdatum der Kinder ab. Das hebräische Geburtsdatum lässt sich hier ermitteln.

Hochzeit

Heiraten ist im Judentum ein wichtiges Gebot als Voraussetzung zur Familiengründung, das auch für Rabbinerinnen und Rabbiner gilt. Im nicht-orthodoxen Judentum werden auch gleichgeschlechtliche Paare getraut.

Die jüdische Hochzeit wird „Chuppa“ genannt, nach dem Traubaldachin, unter dem die Zeremonie stattfindet. Er symbolisiert das gemeinsame Dach der Familie, die neu gegründet wird.

Eine jüdische Hochzeit in Wien, (c) Gryffindor, wikicommons

Am Tag der Hochzeit schließt das Paar einen Vertrag ab, eine Ketubah, der auch von zwei Zeugen unterzeichnet wird. Im orthodoxen Judentum verpflichtet sich der Mann in der Ketubah für seine Frau zu sorgen. Im nicht-orthodoxen Judentum unterzeichnen beide Ehepartner die Ketubah.

Eine Ketubah aus dem 18. Jahrhundert

Unter der Chuppa werden sieben Segenssprüche gesprochen, die Brautleute trinken einen Schluck Wein und der Ehemann steckt seiner Braut einen Ring an den Finger (bzw. tauschen die beiden Ringe aus). Der Bräutigam zertritt am Ende ein Glas, das an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem erinnert.

–> Unter der Chuppa
–> Die sieben Segenssprüche

Und dann wird gefeiert und getanzt! Viel getanzt! Auf einer streng orthodoxen Hochzeit tanzen Frauen und Männer getrennt, ansonsten gemeinsam. Die Brautleute werden auf zwei Stühlen über die Köpfe gehoben und ausgiebig gefeiert.

Im chassidischen Judentum gibt es den Brauch des Mizwa Tanzes. Dazu wird die Braut, manchmal auch weibliche Verwandte, in den Bereich der Männer geholt. Während sie in der Mitte im Stillen betet, tanzt ein enger Verwandter um sie herum. Beide halten einen langen Gürtel, der sie verbindet.

Übrigens, falls die Ehe nicht glücklich ist, können sich Paare im Judentum scheiden lassen und jeweils wieder heiraten.

Mehr dazu:
Was geschieht bei einer jüdischen Hochzeit? Von Rabbiner W. Rothschild

Tod und Trauer

Wie für alle Lebensereignisse hat das Judentum auch für den Tod genaue Gebote. Sie helfen beim Umgang mit dem Verlust und betreffen auch die Zeit der Trauer.

Sterbende bereiten sich auf den Tod mit Gebeten, dem Sündenbekenntnis und dem Schma Israel vor. Sie können dabei von einer Rabbinerin oder einem Rabbiner unterstützt werden.

Nach dem Tod halten Verwandte und enge Vertraute zunächst eine Totenwache und zünden eine Kerze neben dem Toten. Die Familie setzt sich dann mit der Chewra Kadischa, der Beerdigungsgemeinschaft der Gemeinde, in Verbindung. Diese ehrenamtlichen Mitglieder der Gemeinde kommen, waschen den Leichnam und kleiden ihn in einfache weiße Kleidung aus Baumwolle oder Leinen. Im Tod sind wir alle gleich, so dass auch unsere Kleidung gleich sein sollte. Der Leichnam wird ohne weltlichen Besitz in ein Leintuch gehüllt beerdigt. Besteht eine Sargpflicht, sollte der Sarg aus einfachem Holz gefertigt sein. Feuerbestattungen sind verboten, der Körper sollte möglichst vollständig begraben werden.

Die Beerdigung findet so schnell wie möglich statt, am besten noch am selben oder folgenden Tag. Im orthodoxen Judentum ist es üblich, als Ausdruck der Trauer, die Kleidung einzureißen. Während der Beerdigung wird das Kaddisch gesprochen, normalerweise vom nächsten Angehörigen. Nachdem der Sarg in die Erde gelassen wurde, können alle Anwesenden eine Schaufel Erde ins Grab schütten. Zum Abschluss wird das „El male rachamim“ gesprochen. Dieses Gebet wird auch an Todestagen und bei Gedenkfeiern gesprochen. Es ist ein eindringlicher Ruf an den „Gott voller Barmherzigkeit“.

–> Kaddisch
–> El male rachamim

Nach der Beerdigung beginnt die erste von drei Trauerphasen, die Schiwa. Sieben Tage lang nach der Beerdigung kommen Familie und Freunde im Haus der Familie zusammen und sitzen Schiwa. Sie gehen nicht zur Arbeit, Freunde und Angehörige kümmern sich um Essen und helfen mit den Besuchern, die kommen, um Anteil zu nehmen. Diese sieben Tage intensiver Trauer wird genutzt, um allen die Möglichkeit zu geben, Erinnerungen auszutauschen.

Im Anschluss daran stehen 30 Tage bis nach der Beerdigung, die Schloschim heißen (30 auf Hebräisch). Auch in dieser Zeit rasieren sich Männer nicht. Am Ende der 30 Tage kann der Grabstein gesetzt werden. Die Trauerzeit ist jetzt vorüber. Wenn die Mutter oder Vater gestorben sind, wird die Trauerzeit erst nach einem Jahr abgeschlossen. Am Todestag wird mit dem Zünden einer Kerze der Jahrzeit gedacht.

Auf jüdische Gräber werden keine Blumen abgelegt. Stattdessen bringen Besucher kleine Steine mit, die an die Zeit erinnern, als Juden in der Wüste wanderten und ihre Toten dort bestatten mussten. Steine symbolisieren außerdem die Unvergänglichkeit. Friedhöfe werden auch Beit Olam, Haus der Ewigkeit, genannt. Im Judentum werden alle Gräber für immer erhalten. Das hängt mit dem Glauben an die Auferstehung mit der Ankunft des Messias zusammen.

Jüdischer Friedhof in Alfter, (c) Prof. em. Hans Schneider (Geyersberg)

Linktipp:
Die Trauerabschnitte und die Psalmen, die beim Besuch des Grabes vorgelesen werden