Schloschah-Asar Ikarim – Die Dreizehn Glaubenssätze

1935 schrieb Leo Hirsch in seiner ‚Praktischen Judentumskunde‘: „Es ist nicht Pflicht, aber guter Brauch, dass jeder Jude an jedem Tage die biblischen Zehn Gebote und die dreizehn Glaubensartikel, in welche der große Maimonides (1135-1204) den Extrakt des jüdischen Glaubens fasste, lese.

Das Maimonides Denkmal in Córdoba, der Geburtstadt des RaMBaM.

Diese Grundsätze entstanden um das Jahr 1200 C. Verfasst wurden Sie von Rabbiner Moshe Ben Maiman (auch RaMBaM oder Maimonides genannt). Vorausgegangen war der Wunsch, dass auch das Judentum, ähnlich wie andere Religionen, ein allgemein anerkanntes Glaubensbekenntnis besäße – auf welches man sich dann, in Diskussionen mit Anhängern, v.a. des Islam und des Christentums, berufen könnte. Jeder Satz beginnt mit “Ani maamin b’Emunah shlemah… Ich glaube mit ganzem Glauben…“

  1. Ich glaube in ganzem Glauben, dass der Schöpfer, gelobt sei sein Name, jegliche Kreatur schafft und lenkt und dass er allein der Urheber alles dessen ist, was geschah, geschieht und geschehen wird.
  2. Ich glaube in ganzem Glauben, dass der Schöpfer, gelobt sei sein Name, einzig ist und dass es keine Einheit seinesgleichen gibt, in keinerlei Hinsicht, und dass er allein unser Gott war, ist und sein wird.
  3. Ich glaube in ganzem Glauben, dass der Schöpfer, gelobt sei sein Name, unkörperlich ist und frei von jeder Möglichkeit, materiell vorgestellt zu werden; und dass ihm auch keine Gestalt beigelegt werden kann.
  4. Ich glaube in ganzem Glauben, dass der Schöpfer, gelobt sei sein Name, Anfang und Ende ist.
  5. Ich glaube in ganzem Glauben, dass der Schöpfer, gelobt sei sein Name, allein es ist, dem Anbetung gebührt, und dass es ungebührlich ist, außer ihm ein Wesen anzubeten.
  6. Ich glaube in ganzem Glauben, dass die Worte der Propheten alle wahrhaftig sind.
  7. Ich glaube in ganzem Glauben, dass die Kündung unseres Lehrers Moses, Friede ihm, die Wahrheit und dass er von allen Propheten, früheren wie späteren, der Vater war.
  8. Ich glaube in ganzem Glauben, dass diese Tora, wie wir sie jetzt besitzen, die gleiche ist, die unserem Lehrer Moses übergeben wurde.
  9. Ich glaube in ganzem Glauben, dass diese Tora unverwechselbar ist und dass es nie eine andere Lehre vom Schöpfer her, gelobt sei sein Name, geben wird.
  10. Ich glaube in ganzem Glauben, dass der Schöpfer, gelobt sei sein Name, alles Tun und jegliches Trachten der Menschen kennt, wie es heißt: Er, der ihre Herzen ganz und gar gebildet, Er weiß auch all ihr Tun.
  11. Ich glaube in ganzem Glauben, dass der Schöpfer, gelobt sei sein Name, wohl vergilt all denen, die seine Gebote erfüllen, und übel tut denen, die seine Gebote brechen.
  12. Ich glaube in ganzem Glauben, dass der Messias kommt, und ungeachtet seines langen Ausbleibens erwarte ich täglich seine Ankunft.
  13. Ich glaube in ganzem Glauben, dass einst zu seiner Zeit, wenn es dem Schöpfer, gelobt sei sein Name und erhoben sein Gedenken immer und ewig, wohl gefällt, die Toten auferstehen werden.

Die Shloshah-Asar Ikarim des RaMBaM wurden in den Sidur (Gebetsbuch) aufgenommen, eine Bedeutung im Sinne eines Dogmas erlangten Sie aber nicht. Das eine einzige Glaubensbekenntnis des Judentums lautet immer noch:

Shm’a Jisrael, AdoShem Elohejnu, AdoShem Ehad
Höre Jisrael, ‚der Ewige‘ unser G’tt, ‚der Ewige‘ eins

Man kann vielleicht sagen, dass die Shloshah-Asar Ikarim eine ausführlichere Erläuterung des “Shm’a Jisrael“ sind.

–> Nachwirkungen des Maimonidischen Systems auf das Denken der Folgezeit

Quellen:
Hirsch, Leo – Juedische Glaubenswelt – Victor Goldschmidt Verlag, Basel, 1978.
Sidur S’fath Emeth – Victor Goldschmidt Verlag, Basel, 1972.